DVZ – Zum Abwracken an den Strand

(Written by Werner Balsen)

6 February 2013 - Schrottschiffe aus Europa landen zunehmend an den Stränden Südasiens, wo sie abgewrackt werden – zumeist ohne Umweltschutz- und Sicherheitsvorkehrungen. 2012 entsorgten deutsche Reeder 48 Pötte dorthin, zählte die Organisation NGO Shipbreaking Platform.

365 Schiffe mit umweltschädlichen Reststoffen sind 2012 von europäischen Reedereien zum Abwracken an die Strände Südasiens geschickt worden. 167 der Schrottpötte kamen aus Griechenland. Griechische Schiffseigener führen damit die Liste an. An zweiter Stelle stehen ihre deutschen Kollegen, die 48 Schiffe in Südasien entsorgten. Diese Zahlen hat die NGO Shipbreaking Plattform veröffentlicht, ein globaler Zusammenschluss von Umweltschutz – und Menschenrechtsorganisationen. Die Plattform setzt sich für sicheres und umweltfreundliches Recycling von Schiffen ein. Ihren Angaben zufolge schickten europäische Reeder 2012 rund drei Viertel mehr Schiffe nach Indien, Bangladesch und Pakistan als 2011. Damals waren es 210. In den Ländern werden sie verschrottet – zumeist ohne Umweltschutz- und Sicherheitsvorkehrungen, die wegen der in ausgedienten Schiffen vorhandenen Gefahrstoffe – etwa Asbest – erforderlich sind.

“Die EU muss Mechanismen entwickeln, welche verhindern, dass europäische Reeder Schiffe voller gefährlicher Abfälle zur Verschrottung in Entwicklungsländer exportieren”, fordert Patrizia Heidegger, die Geschäftsführerin der Plattform. Die Union sollte stattdessen “ein Recycling auf Grundlage der Gesundheits-, Arbeitssicherheits- und Umweltschutzvorschriften der Herkunftsländer der Reedereien einfordern”.

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments berät derzeit über einen Gesetzentwurf der EU-Kommission für das Abwracken von Schiffen. Die Plattform fordert die Abgeordneten auf, einen “finanziellen Mechanismus” zu schaffen, “um die Kosten für ein ordentliches Recycling der giftigen Abfälle an Bord der Schrottschiffe zu internalisieren”. Dieser Mechanismus müsse “alle Schiffe umfassen, welche europäische Häfen anlaufen – nicht nur die wenigen unter europäischer Flagge”.

Denn die meisten der Schrottpötte, die europäische Reeder 2012 nach Südasien verkauft haben, fuhren Beobachtungen der Plattform zufolge nicht unter europäischer Fahne, sondern unter sogenannten Billigflaggen von Staaten wie Panama, Liberia oder den Bahamas.