global° – Verordnung zum Schiffrecycling gebilligt

(Written by Jessica Thompson)

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3 July 2013 - Abgewrackte Schiffe aus Europa an asiatischen Stränden: Geht es nach dem Willen von Natur- und Umweltschützern sollen diese Friedhöfe bald selbst beerdigt werden. Am vergangenen Donnerstag, den 27. Juni, stimmten die europäischen Staats- und Regierungschefs einer neuen Verordnung zum Schiffrecycling zu. Vorausgegangen waren zähen Verhandlungen zwischen Europäischem Rat, EU-Kommission und Europaparlament.

Seit 2005 engagiert sich die Shipbreaking Platform, ein Zusammenschluss von siebzehn Nicht-Regierungsorganisationen, unter ihnen Greenpeace, für eine umwelt- und arbeiterfreundliche Entsorgung von großen Frachtschiffen. Erklärtes Ziel ist es, die gängige Praxis der kostengünstigen Verschrottung ausrangierter Schiffe an Küsten von Entwicklungsländern zu beenden. Das Abwracken an den Stränden Indiens, Pakistans und Bangladeschs führt seit Jahren zu starken Verschmutzungen, gefährlichen Arbeitsbedingungen und zur Ausbeutung der Arbeiter.

Auch deutsche Schiffwracks landen am Strand

Weltweit werden jährlich über 1000 ausgediente große Handelsschiffe verschrottet. Viele von ihnen landen an südasiatischen Gezeitenstränden, wo sie ohne jegliche Sicherheitsmaßnahmen für Natur und Mensch auseinander genommen werden. Die Folge: hohe Unfallraten, Gesundheitsrisiken und Umweltschäden durch Asbest,  polychlorierte Biphenyle (PCB), Tributylzinn und Ölschlamm.

2012 landeten allein 365 Schiffe aus EU-Ländern an den Küsten in Indien, Bangladesch und Pakistan. Mit 167  Tanker und Containerschiffe geht knapp die Hälfte der Wracks geht auf das Konto griechischer Reedereien. Deutschland belegte mit 48 ausrangierten Exemplaren den zweiten Platz.

Die Bemühungen der Shipbreaking Platform zeigen Erfolg: Die EU-Kommission erkannte das Problem und setzte es auf die politische Tagesordnung. Sie entwarf einen Vorschlag für eine entsprechende Schiffrecycling-Verordnung. Der ursprüngliche Entwurf der EU-Kommission sah eine Besichtigungs-, Zertifizierungs- und Zulassungsregelung für große Handelsseeschiffe vor, die unter der Flagge eines EU-Mitgliedstaates fahren, und deckte den gesamten Lebenszyklus dieser Schiffe – von Bau über Betrieb bis hin zum Abwracken – ab. Inventarisieren und Reduzieren von  Gefahrstoffen, eine Liste mit zugelassenen Abwrackwerften für europäische Schiffe und Sanktionen bei unsachgemäßer Entsorgung der Wracks gehörten zu den Kernpunkten.

Arbeitssicherheit und Umweltschutz stehen im Mittelpunkt

Im März sagte EU-Umweltkommissar Janez Potočnik in Bezug auf die Verordnung: „In der Praxis hat sich die Lage im Sektor Schiffsrecycling zwar schon gebessert, viele Anlagen arbeiten aber immer noch unter gefährlichen und umweltschädigenden Bedingungen. Mit diesem Vorschlag soll sichergestellt werden, dass unsere Altschiffe in einer Weise abgewrackt werden, die die Gesundheit der Werftarbeiter und die Umwelt nicht gefährdet. Damit senden wir ein deutliches Signal, dass dringend in die Modernisierung von Abwrackanlagen investiert werden muss.“

Nach langen Verhandlung und zahlreichen Ausnahmeregelungen steht seit letzter Woche ein Kompromiss. Der Rat der Staats- und Regierungschefs stimmte der neuen Verordnung zum Schiffrecycling bereits zu. Auf Nachfrage von global° erklärte Patrizia Heidegger, Geschäftsführerin der Shipbreaking Platform, dass die Verordnung zwar noch nicht verabschiedet sei, da auch das Parlament noch zustimmen müsse. Das sei allerdings nach den Trilogverhandlungen reine Formsache und werde wahrscheinlich erst im September oder Oktober der Fall sein. „Die Verordnung steht aber und wird nicht mehr geändert“, so Heidegger.