Greenpeace Magazin – Hapag Lloyd will umweltfreundlich abwracken

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15 August 2014 - Deutschlands größte Linienreederei hat angekündigt, alte Schiffe künftig auf professionellen Abwrackwerften zu entsorgen. Eine wichtiger Schritt für den Umweltschutz in Asien.

Insgesamt 655 Hochseeschiffe wurden im vergangenen Jahr in Pakistan, Indien und Bangladesch abgewrackt. Bei der Verschrottung fällt tonnenweise Sondermüll wie Altöl, Blei und Asbest an. Die Entsorgung von diesen Gefahrstoffen ist in Europa und den übrigen OECD-Staaten streng geregelt und teuer. Doch in Südasien werden die Schiffe auf dem Strand zerlegt – unter enormer Umweltbelastung und schlechten sozialen Bedingungen für die Arbeiter.

Hapag Lloyd ist die erste deutsche Reederei, die nun beschlossen hat, ihre ausgedienten Frachtschiffe umweltgerecht auf professionellen Abwrackwerften zu entsorgen. Bisher verkaufte sie alte Schiffe auf dem Gebrauchtmarkt. Doch unter den neuen Besitzern fuhren die Schiffe meist nicht lang. Die Krise in der Schifffahrt sorgt dafür, dass sich die Verschrottung mehr lohnt als ihre Instandhaltung.

Das erste Hapag-Lloyd-Schiff, das nun auf einer chinesischen Werft umweltgerecht entsorgt wird, ist 240 Meter lang und wurde 1989 gebaut. Umweltorganisationen hoffen, dass weitere Reedereien dem Beispiel Hapag Lloyds folgen werden. 2009 erließ die Internationale Schifffahrtsorganisation IMO zwar eine gesetzliche Regelung, nach der alle Reedereien ihre Schiffe umweltschonend zu verschrotten haben. Dieses Übereinkommen setzten bisher allerdings nur Norwegen, Kongo und Frankreich in Kraft.

In Deutschland hindert nicht nur der fehlende politische Druck die Reedereien am umweltfreundlichen Schiffsrecycling. „Ein großer Teil der deutschen Handelsflotte gehört vielen Anteilseignern“, sagte Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder bei Spiegel Online. In den Verträgen zwischen Reedern und Eignern sei festgelegt, dass die Frachter zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen seien. Und dieser wird zurzeit noch auf dem Gebrauchtmarkt bezahlt, von wo die Schiffe über kurz oder lang an den Stränden des indischen Subkontinents landen.