Hamburger Morgen Post – Hapag stoppt den Irrsinn mit den Schrott-Schiffen

(Written by Geli Tangermann)

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11 August 2014 - Sie wühlen in asbestverseuchtem Schrott, atmen Chemikalien ein, sind oft minderjährig. Arbeiter in Indien, Pakistan und Bangladesch verschrotten an den Stränden ihrer Heimatländer ausgemusterte Frachter unter fragwürdigen Umwelt- und Sozialbedingungen. Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd setzt gegen die zweifelhafte Abwrackpraxis nun ein Signal: Ausgediente Frachtschiffe werden ab sofort umweltgerecht entsorgt.

Mehr als 1000 Frachter werden Jahr für Jahr ausgemustert und abgewrackt, die meisten davon auf den Stränden des indischen Subkontinents. Die Schiffe enthalten tonnenweise Giftstoffe. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation „The Shipbreaking Platform“ sind viele der Arbeiter nicht einmal 15 Jahre alt, tödliche Arbeitsunfälle an der Tagesordnung.

„Wir begrüßen diesen Schritt von Hapag-Lloyd und hoffen, dass andere Reedereien ihn sich zum Vorbild nehmen“, sagt Patrizia Heidegger, Chefin der Plattform. Ihren Angaben zufolge entsorgt von den weltweit größten Reedereien bisher nur die dänische Maersk-Gruppe ihre Schiffe nach europäischen Umwelt- und Sozialstandards – Hapag-Lloyd ist die erste deutsche Reederei, die nachzieht.

Bislang verkaufte das Unternehmen ausgemusterte Schiffe an andere Betreiber, erzielte oft noch gute Preise. „Wir haben aber in den vergangenen Jahren festgestellt, dass die Erwerber die Schiffe relativ schnell zur Verschrottung gegeben haben“, erklärte ein Firmen-Sprecher. Deshalb will das Unternehmen handeln – obwohl die neue Recycling-Form voraussichtlich Mindereinnahmen in Millionenhöhe bedeutet.

Als Erstes wird der Frachter „New Orleans Express“ nach den neuen Standards entsorgt. 14000 Tonnen Stahl landen in einer chinesischen Abwrackwerft.